Wissenschaftliche Arbeit

Forschen und Dokumentieren

Die Geschichte von Widerstand und Verfolgung in Baden ist bislang nur lückenhaft erforscht und deshalb weithin unbekannt. Gleiches gilt für das regionale Wirken von Demokrat:innen, Republikschützer:innen, Friedens- und Menschenrechtsaktivist:innen in der Weimarer Republik. Durch eigene Recherchen sowie durch die Bündelung und Vernetzung von Wissen tragen wir dazu bei, dass diese Lücken geschlossen werden.

Die Erforschung der Geschichte der frühen badischen Konzentrationslager sowie der Schicksale der dorthin verschleppten Männer bildet einen Schwerpunkt unserer inhaltlichen Arbeit. Während die Aktenlage zu den Lagern Ankenbuck und Heuberg extrem lückenhaft ist, sind die Akten des Lagers Kislau größtenteils erhalten geblieben. Sie werden im Generallandesarchiv Karlsruhe aufbewahrt, sind über ein Online-Findmittel zugänglich und teilweise bereits in digitaler Form verfügbar. Wenn Sie nach Informationen über eine bestimmte Person suchen, die in einem der Lager inhaftiert war, empfiehlt sich darüber hinaus eine Recherche in der Online-Datenbank der Arolsen Archives.

Auf Basis der Kislauer Häftlingsakten sowie von Verwaltungsakten der Konzentrationslager Kislau, Ankenbuck und Heuberg haben wir ein Verzeichnis mit Daten von mehr als 2.000 Häftlingen der genannten drei Lager angelegt, das wir kontinuierlich um Informationen aus anderen Quellen und Publikationen ergänzen. Darüber hinaus forschen wir auch zu den Insassen des Arbeitshauses Kislau, des Durchgangslagers für Fremdenlegionäre sowie des Strafgefängnisses, das nach der Liquidierung des Konzentrationslagers in Kislau errichtet wurde.

Auf unserem Geschichtsportal ‚Nicht mit UFOs’ wird in Kürze eine Datenbank verfügbar sein, in der sich Kurzbiografien, Fotos sowie weitere Angaben und Materialien zu einer repräsentativen Auswahl von Häftlingen früher badischer Lager finden. Die Datenbank ermöglicht eine Recherche nach einzelnen Häftlingsgruppen, Regionen und anderen Kategorien. Perspektivisch soll sie um weitere Datensätze ergänzt werden. Eine annähernde Vollständigkeit wird allerdings nur im Zuge eines gesonderten Forschungsprojekts erreichbar sein.

Unsere wissenschaftliche Bibliothek umfasst mittlerweile mehr als 3.000 Titel zur deutschen, südwestdeutschen und badischen Geschichte der Jahre 1918 bis 1945, zur Geschichte badischer Städte und Regionen in jener Zeit sowie zu Personen, die aus Baden stammten oder in der Weimarer Republik und in der NS-Zeit in Baden gewirkt haben – darunter auch mehrere hundert zeitgenössische Publikationen, viele davon Raritäten. Darüber hinaus halten wir mehr als 2.000 Digitalisate einschlägiger Fotografien, Plakate und Dokumente sowie zahlreiche historische Ton- und Filmaufnahmen vor. Im Laufe der Jahre sind zudem mehrere kleine Teilnachlässe mit bislang unbekannten Fotografien und Dokumenten, Flugblätter und andere Artefakte an uns gelangt.

Sie haben Fragen zu einem bestimmten Aspekt der badischen Demokratie- und Diktaturgeschichte der Jahre 1918 bis 1945 oder wollen mehr über eine bestimmte Person erfahren, die im KZ Kislau, auf dem Ankenbuck oder auf dem Heuberg inhaftiert war? Gerne teilen wir unser Wissen. Und vielleicht haben Sie ja auch einen Hinweis, der unsere Arbeit weiterbringt.

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