
Erinnern und Gedenken
Kollektivgedächtnis aufpolieren
Jahrestage aktiv aufgreifen
Am 9. November wie auch am 27. Januar wird deutschlandweit der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Im deutschen Südwesten bietet darüber hinaus der 22. Oktober Anlass, um an die Deportation der badischen und saarpfälzischen Jüdinnen und Juden nach Südfrankreich zu erinnern. In den vergangenen Jahren haben auch wir diese und andere Jahrestage zum Anlass genommen, um über die Untaten des NS-Regimes sowie über den Mut derer aufzuklären, die sich den Nationalsozialisten vor wie nach 1933 entgegenstellten. So haben wir zu Mahnwachen und Lichter-Aktionen sowie zu szenischen Lesungen eingeladen, im öffentlichen Raum Info-Stelen aufgestellt und vieles mehr. Informationen über unsere nächsten Veranstaltungen finden Sie in unserer Terminübersicht sowie in unserem vierteljährlich erscheinenden ‚Lernort-Letter‘.
Januar 2025
80. Jahrestag der Befreiung des Lagers Auschwitz
Unter dem Motto ‚Lichter gegen Dunkelheit‘ hatten wir dazu eingeladen, am 27. Januar 2025 auf dem Karlsruher Marktplatz ein Zeichen gegen Hass und Hetze, Terror und Gewalt zu setzen. Mehr als 850 Menschen leisteten unserem Aufruf Folge und lauschten aufmerksam, als wir die Kulmination des nationalsozialistischen Terrors anhand ausgewählter Schicksale beleuchteten. Am Vorabend hatten wir uns an den Gedenkfeierlichkeiten der Bad Schönborner Initiative ‚Zeichen setzen‘ beteiligt und im Rahmen einer Lichter-Aktion an der Marum-Stele exemplarische Schicksale von Kislauer KZ-Häftlingen vorgestellt.

März 2024
90. Jahrestag der Ermordung von Ludwig Marum
Den 90. Jahrestag der Ermordung von Ludwig Marum im KZ Kislau am 28. März 1934 nahmen mehr als ein Dutzend Aktive unseres Vereins zum Anlass, um am Vorabend – dem diesjährigen Gründonnerstag – gemeinsam mit dem Stadtarchiv Karlsruhe und dem Forum Ludwig Marum eine modifizierte Version von Ulrich Wiedmanns szenischem Bericht ‚Der Kislau-Prozess‘ zur Aufführung zu bringen. Obwohl mitten in den Ferien stattfindend, war die Veranstaltung im Karlsruher Ständehaus bestens besucht und wurde mit großem Applaus bedacht.
seit November 2023
‚Erinnerung aufpolieren‘
‚Erinnerung aufpolieren‘ – unter diesem Motto haben wir vom Herbst 2023 bis zum Herbst 2025 in zwei- bis dreimonatlichem Turnus zu Stolpersteine-Putzaktionen im Karlsruher Stadtgebiet aufgerufen und stets regen Zuspruch erfahren. Gemeinsam wurden die Stolpersteine gereinigt und der Menschen gedacht, denen sie gewidmet sind – ein kleines, aber sichtbares Zeichen gegen Ausgrenzung, Terror und Gewalt. Sie möchten selbst eine Stolpersteine-Putzaktion planen und durchführen? Sei es in Karlsruhe, Heidelberg oder anderswo – wir stehen Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite.

Mai 2023
90. Jahrestag der Schaufahrt I
Am 16. Mai 2023 jährte sich die Verschleppung sieben prominenter Sozialdemokraten aus der badischen Landeshauptstadt Karlsruhe ins KZ Kislau auf einem offenen Polizeiwagen zum 90. Mal. Am Vorabend des Jahrestags brachten wir im Neuen Ständehaus und damit am Ort des ehemaligen Landesparlaments eine selbst erarbeitete Historische Collage zur Aufführung: Anhand von Briefen, Presseberichten und anderen Textdokumenten, von Foto- und Plakatmaterial sowie einer historischen Tonaufnahme entstand für das rund 150-köpfige Publikum ein atmosphärisch dichtes Bild der Ereignisse rund um diese reichsweit beachtete schändliche Schaufahrt.
Mai/Juni 2023
90. Jahrestag der Schaufahrt II
Um im öffentlichen Raum möglichst plakativ an die Schaufahrt zu erinnern, die die Nazis am 16. Mai 1933 in der damaligen badischen Landeshauptstadt inszeniert hatten, beschritten wir aus Anlass des 90. Jahrestags im Zusammenspiel mit dem Stadtarchiv Karlsruhe sowie mit der Karlsruher Messe- und Event-GmbH (KME) erstmals neue Wege: An vier stark frequentierten Orten in der Karlsruher Innenstadt, an denen die Schaufahrt vorbeigeführt hatte, informierten wir von Anfang Mai bis Ende Juni auf vier Meter hohen Info-Stelen kurz und prägnant über die Schaufahrt und boten Denkanstöße für die Gegenwart.

Februar 2023
90. Jahrestag der Reichstagsbrandverordnung
Gemeinsam mit 16 weiteren Einrichtungen haben wir 2022 die Ausstellung ‚Auftakt des Terrors‘ erarbeitet. An elf Stationen beleuchtet die Schau Rolle und Funktion der frühen Lager im nationalsozialistischen Herrschaftssystem. Am 28. Februar 2023, dem 90. Jahrestag der ‚Reichstagsbrandverordnung‘, wurde sie an zwölf Orten gleichzeitig eröffnet – so unser Exemplar im Regierungspräsidium Karlsruhe durch die damalige Landesjustizministerin Marion Gentges MdL. Manfred Kern und Daniel Prandl umrahmten die gut besuchte Veranstaltung musikalisch, indem sie ‚Die Moorsoldaten‘, das ‚Heuberglied‘ und das ‚Buchenwaldlied‘ intonierten.
Januar 2022 und Januar 2021
‚Lichter gegen Dunkelheit‘
Sowohl 2021 als auch 2022 beteiligten wir uns am 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, erneut am bundesweiten Beleuchtungsflashmob ‚Lichter gegen Dunkelheit‘. Bei beiden Veranstaltungen kamen jeweils 70 Menschen auf unsere Einladung hin in Kislau zusammen, um an der Marum-Stele Kerzen zu entzünden. Bevor alle gemeinsam mit Lichtern in den Händen in stillem Gedenken verharrten, erinnerten Mitglieder des Lernort-Teams an die KZ-Geschichte des Orts und an die Schicksale der dorthin verschleppten Männer. Am 27. Januar 2022 eröffneten wir im direkten Anschluss an die Aktion unser Geschichtslabor in der wenige Gehminuten entfernt gelegenen Gustav-Adolf-Kirche.

November 2021
75. Jahrestag Nürnberger Prozesse
Unter dem Titel ‚Das Unrecht richten‘ realisierten wir im November 2021 im Generallandesarchiv Karlsruhe vor einem Corona-bedingt auf 80 Personen limitierten Publikum einen Vortrags- und Diskussionsabend, in dessen Rahmen wir die Nürnberger Kriegsverbrechertribunale der unmittelbaren Nachkriegszeit beleuchteten und ihren Stellenwert in der Geschichte ausloteten. Im Rahmen eines Impulsvortrags lieferte Generalbundesanwalt Dr. Peter Frank gleich zu Beginn einen beeindruckenden Abriss über die juristische Verfolgung politischer Verbrechen von damals bis heute. Im Anschluss an einen Exkurs von Dr. Andrea Hoffend über das politische und juristische Wirken des in Freiburg geborenen stellvertretenden Nürnberger Chefanklägers Robert Kempner beleuchtete Henrike Claussen, die Gründungsdirektorin des derzeit in Karlsruhe entstehenden Forums Recht, die Nürnberger Prozesse in ihrem Gesamt.

Oktober 2020
80. Jahrestag der Deportation nach Gurs
Am 22. Oktober 2020 hat sich die Deportation der badischen und saarpfälzischen Jüdinnen und Juden in das südfranzösische Lager Gurs zum 80. Mal gejährt. Mit einer Mahnwache vor dem Karlsruher Hauptbahnhof erinnerten wir an diesem Tag an die Verschleppungsaktion, die von Orten wie diesem ihren Ausgang genommen hatte. Trotz Corona-Auflagen leisteten mehr als 100 Menschen unserem Aufruf Folge und setzten gemeinsam mit Kerzen ein Zeichen gegen all jene, die heute wieder behaupten, bestimmte Menschengruppen seien weniger als andere wert.
Januar 2020
75. Jahrestag der Befreiung des Lagers Auschwitz
Im Rahmen der bundesweiten Beleuchtungsaktion ‚Lichter gegen Dunkelheit‘ realisierten wir am 27. Januar 2020 – dem 75. Jahrestag der Befreiung des Lagers Auschwitz – eine öffentliche Gedenkstunde vor den Toren der Kislauer Schlossanlage. Exemplarisch stellten wir den rund drei Dutzend Anwesenden die Schicksale von sechs Kislauer KZ-Häftlingen vor, bevor alle gemeinsam die Umrisse des vom Land für den Lernort Kislau bereitgestellten Areals mit Lichtern markierten.

Januar 2018
Lesung am 73. Jahrestag der Befreiung des Lagers Auschwitz
Am 27. Januar 2018 las Andrée Fischer-Marum, eine Enkelin des 1934 im KZ Kislau ermordeten Reichs- und Landespolitikers Ludwig Marum, im Mingolsheimer Haus des Gastes vor zahlreich erschienenem Publikum aus der von ihr betreuten Neuausgabe der Briefe, die ihre Großeltern 1933/34 während der Gefängnis- und KZ-Aufenthalts des Großvaters ausgetauscht hatten. Die Lesung war die 9. Veranstaltung in der Reihe ‚Kislau-Forum‘, die wir vom Herbst 2013 bis zum Frühjahr 2018 gemeinsam mit der Bad Schönborner Initiative Kislau-Forum realisiert haben.
Juli 2016
125. Geburtstag von Emil Julius Gumbel
Angesichts der zahlreichen antisemitischen und politischen Anfeindungen, die ihm entgegenschlugen, beschloss der Heidelberger Statistikdozent Emil Julius Gumbel im Sommer 1932, Deutschland den Rücken zu kehren und einen Lehrauftrag in Lyon anzunehmen. Gumbel war damit der erste Emigrant, den das sich ankündigende NS-Regime hervorbrachte. Den 125. Geburtstag dieses mutigen Friedens- und Menschenrechtsaktivisten am 18. Juli 2016 nahmen Aktive unseres Vereins zum Anlass, um auf dem Heidelberger Universitätsplatz durch Verteilen von Quellentexten und Info-Material an Gumbels Ringen um Wahrheit und Gerechtigkeit zu erinnern.
März 2014
80. Jahrestag der Ermordung von Ludwig Marum
Im Rahmen einer Gedenkstunde erinnerten wir am 29. März 2014 vor Ort an der Marum-Stele an den Landes- und Reichspolitiker Ludwig Marum, der auf den Tag genau 80 Jahre zuvor im KZ Kislau ermordet worden war. Auf Reden des baden-württembergischen Justizministers Rainer Stickelberger MdL, des Bad Schönborner Bürgermeisters Klaus Detlev Huge und anderer Repräsentant:innen des öffentlichen Lebens folgte ein stilles gemeinsames Gedenken der rund 100 Teilnehmer:innen. Am Vorabend war auf unsere Einladung hin in der Bad Schönborner Michael-Ende-Schule die vom Forum Ludwig Marum e. V. erarbeitete Ausstellung ‚Warum Marum?‘ eröffnet worden, und am 6. April dann brachte die Badische Landesbühne am selben Ort die szenische Lesung „Mein Lebensmut ist nicht gebrochen“ zur Aufführung.

Mai 2013
80. Jahrestag der Bücherverbrennung
Den 80. Jahrestag der ‚Aktion wider den undeutschen Geist‘ wollten wir zum Anlass nehmen, um den Blick auf die Autoren zu richten, deren Werke im Frühjahr 1933 im deutschen Südwesten auf den Scheiterhaufen gelandet und deren Lebens- und Berufswege durch das NS-Regime gebrochen worden waren. ‚Verbrannte Literatur vom Oberrhein‘ – unter diesem Titel wurde daher am 11. Mai 2013 auf Einladung unseres Vereins und der Literarischen Gesellschaft Karlsruhe im voll besetzten Saal des Museums für Literatur am Oberrhein (MLO) aus Texten von Literaten, Wissenschaftlern und Politikern gelesen, deren Schriften den Autodafés zum Opfer gefallen waren. Dr. Jürgen Oppermann und Prof. Dr. Hansgeorg Schmidt-Bergmann vom MLO sowie Dr. Andrea Hoffend vom Lernort-Verein führten die 200 Zuhörer:innen vorab jeweils kurz in die Viten der so Gewürdigten ein.
