
Künftige Bildungsstätte
Lernort Kislau
Innovative Geschichtsarbeit
für und in Baden
Wie kein anderer badischer Ort markierte das KZ Kislau den Übergang von der Weimarer Republik in das NS-Regime. Deshalb wird in Kislau eine Bildungsstätte zur Landeshistorie der Jahre 1918 bis 1945 entstehen, an der wir zeitgemäße Formen der Geschichtsarbeit mit einer zukunftsorientierten politischen Bildungsarbeit verknüpfen. Dafür muss ein Neubau her. Die Kosten für das Gebäude trägt das Land Baden-Württemberg.
NS-Geschichte von
vorne betrachtet
Die Nazis sind 1933 nicht mit UFOs gelandet, und der Gang in die Diktatur war durchaus vermeidbar. Wer aus der nationalsozialistischen Vergangenheit Lehren für die Gegenwart ziehen möchte, muss deshalb die Weimarer Republik ebenso in den Blick nehmen wie die NS-Diktatur: Wie konnte die Zerstörung der Demokratie gelingen, warum erkannten zu wenige die Gefahr? Wirklich aus der Geschichte lernen kann nur, wer sich mit diesen Fragen auseinandersetzt.
Demokratie contra Diktatur
Diktatur lässt sich nur im Kontrast zur Demokratie und Demokratie nur im Kontrast zur Diktatur wirklich begreifen. Gleichermaßen erschließen sich die Konsequenzen einer Willkürherrschaft nur, wenn man ihnen rechtsstaatliche Prinzipien entgegensetzt. Demokratievermittlung und Diktaturgeschichte müssen demnach integral zusammengedacht werden.
Räumliche Nähe
Anhand konkreter Beispiele aus dem eigenen räumlichen Umfeld lassen sich die großen historischen Entwicklungslinien besser nachvollziehen. Im Sinne eines ‚Lernens vor Ort‘ brechen wir deshalb die Geschichte der Weimarer Republik und der NS-Zeit auf die badische Landesebene herunter. Dies gelingt umso besser, als das kleine Land Baden damals zahlreiche Schlüsselfiguren hervorgebracht hat – beginnend bei Friedrich Ebert und endend bei Rudolf Höß.
Vermittlungsarbeit auf Augenhöhe
Der Wert der Demokratie lässt sich nur mit demokratischen Methoden glaubwürdig vermitteln. Rege Beteiligung und Dialoge auf Augenhöhe – dies ist der Anspruch, der all unsere Bildungsangebote durchzieht. Auch am künftigen Lernort Kislau sollen sich die Besucher:innen sämtliche Inhalte aktiv aneignen und selbst Stellung zu ihnen beziehen können.

Geschichte für die Zukunft
Aus der Geschichte lernen kann nur, wer die Relevanz historischer Ereignisse und Prozesse für Gegenwart und Zukunft erkennt. Schon im Eingangsbereich des Lernorts Kislau – der Lobby – fordern wir die Besucher:innen deshalb dazu auf, zu Wertfragen Stellung zu nehmen. Den Ausstellungsbereich legen wir als interaktiven Geschichtsparcours mit gegenwartsbezogenen Zeitfenstern an. In einem FORUM werden die gewonnenen Erkenntnisse zusammengeführt und diskutiert.
Verkehrsgünstige Lage
Bedeutung und Wirkkraft des historischen Orts verbinden sich in Kislau mit dem Vorzug optimaler Anbindung: Gelegen an der Nahtstelle zwischen der Metropolregion Rhein-Neckar und der Technologieregion Karlsruhe, ist die Schlossanlage sowohl von Heidelberg als auch von Karlsruhe aus mit der S-Bahn wie mit dem Auto in weniger als einer halben Stunde erreichbar; die Haltestelle Bad Schönborn – Kronau befindet sich nur 200 Meter vom Schloss entfernt.

Bau- und Ausstellungsprojekt
Raumfrage
In der Kislauer Schlossanlage und in den umliegenden Bestandsgebäuden ist heute eine Außenstelle der Justizvollzugsanstalt Bruchsal untergebracht. Deshalb muss für den Lernort Kislau ein Neubau her. Das Land stellt dafür ein unmittelbar angrenzendes Grundstück sowie die nötigen Mittel zur Verfügung. Das Bauprojekt hingegen müssen wir selbst steuern. Parallel dazu arbeiten wir das Ausstellungs- und Vermittlungskonzept aus und sorgen für dessen Finanzierung.

Bauprojekt
Für die Errichtung des Lernort-Gebäudes hat der Landtag eine Summe in Höhe von 1,8 Millionen Euro bereitgestellt. Da die Baupreise in den vergangenen Jahren sprunghaft gestiegen sind, wird derzeit eine Anhebung der Mittel geprüft. 2025 wurde die Öffentlichkeit erstmals an dem Bauvorhaben beteiligt. Nun steht die Offenlage des Bebauungsplans an. Demnach könnten die Entscheider:innen im Laufe des Jahres 2026 Baurecht schaffen.
Spenden für die
Demokratie-Arbeit
Die vollumfängliche Übernahme der Baukosten für den Lernort Kislau durch das Land stellt einen Meilenstein auf dem Weg hin zur Eröffnung der geplanten Bildungsstätte dar. Ausfinanziert ist das Projekt damit jedoch nicht: Um die interaktive Ausstellung und die Dialogbereiche realisieren zu können, sind wir auf Spenden angewiesen. Sobald Baurecht geschaffen ist, werden wir daher unsere Fundraising-Aktivitäten mit voller Kraft wieder aufnehmen.
Ausarbeitung des Konzepts
Parallel zu Bauplanung und Mitteleinwerbung werden wir das Ausstellungs- und Vermittlungskonzept für den Lernort Kislau, das wir bereits vor geraumer Zeit erarbeitet hatten, nochmals auf den Prüfstand stellen und sodann im Detail ausarbeiten. Im Rahmen des von uns entwickelten Formats Lernort-Werkstatt binden wir Berufsschüler:innen, Design-Student:innen und andere junge Menschen aktiv in diesen Prozess ein. Denn sie sind es schließlich, denen das Angebot der künftigen Bildungsstätte vor allem gerecht werden soll.
Kritisch-aufklärerisches Lernen aus unserer Geschichte – nicht zuletzt aus dem Scheitern der ersten deutschen Demokratie – ist gegenwärtig so wichtig wie seit Langem nicht. Deshalb hoffe ich, dass der Weg freigemacht wird für die Finanzierung des geplanten Lernorts Kislau.
Prof. Dr. Norbert Frei, Historiker


