Motion Comics

Geschichte in bewegten Bildern

In animierten Bildergeschichten von rund fünf Minuten Länge bereiten wir verbriefte Ereignisse aus der badischen Landesgeschichte der Jahre 1918 bis 1945 aus der Ich-Perspektive ihrer Protagonist:innen auf. In einer einfachen, verständlichen Bildsprache zeigen wir damit Handlungsspielräume im Angesicht von Ausgrenzung und Gewalt auf. Die Motion Comics finden sich auf unserem Geschichtsportal und auf unserem YouTube-Kanal.

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Eine Kohlrübe als Kriegsdenkmal

Emil kämpft für Frieden und Gerechtigkeit 

Seit 1919 ist der Statistikdozent Emil Julius Gumbel (1891–1966) darum bemüht, die Öffentlichkeit anhand von Zahlen und Fakten darüber aufzuklären, dass die deutsche Justiz auf dem rechten Auge blind ist. An seinem Wirkungsort Heidelberg wird er deshalb über Jahre hinweg ausgegrenzt, beleidigt und bedroht. Gumbel weicht erst, als die Universität ihm 1932 die Lehrbefugnis entzieht – und rettet sich nach Frankreich.

„Bildung und geistige Selbstständigkeit“

Marianne kämpft für Frauenrechte

Als Marianne Weber am 15. Januar 1919 im Badischen Ständehaus ans Rednerpult tritt, schreibt sie Geschichte: Sie ist die erste Frau, die in einem deutschen Parlament spricht. Lange hat sie in der Zeit zuvor für die Gleichberechtigung ihres Geschlechts gekämpft, und auch in der Weimarer Republik setzt sie diesen Kampf fort. Vor allem im rechten Lager stößt sie damit auf massive Gegenwehr.

„… dieser Feind steht rechts!“ 


Joseph ringt um den Erhalt der Republik

In seiner Funktion als Reichskanzler zeigt der Freiburger Zentrumspolitiker Joseph Wirth (1879–1956) in der Weimarer Republik politisch Flagge. Dass der jungen deutschen Demokratie vor allem vom rechten Rand her Gefahr droht, ist ihm bewusst. Nach dem Mord an Außenminister Walther Rathenau spricht er im Reichstag Klartext und ergreift Maßnahmen zum Schutz der Republik.

‚Judenknechte‘ contra Nazis


Jakob zeigt Zivilcourage

Seit die Nazis im Herbst 1930 ins Mannheimer Stadtparlament eingezogen sind, ist dort eine geordnete politische Arbeit kaum noch möglich. Als der SPD-Stadtrat Jakob Trumpfheller (1887–1975) bei einer Sitzung im Januar 1932 einen NSDAP-Mann zur Rede stellen will, provoziert dieser eine wüste Prügelei. Vor Gericht erhalten die beteiligten Sozialdemokraten wesentlich härtere Strafen als ihre Angreifer.

Randale in der Redaktion

Käthe erlebt die Erstürmung des ‚Volkswacht‘-Büros

Nachdem der Freiburger SPD-Landtags-
abgeordnete Christian Daniel Nussbaum am März 1933 in vermeintlicher Notwehr zwei Polizisten erschossen hat, werden Kommunisten und Sozialdemokraten in
Baden brutal verfolgt. Die Journalistin Käthe Vordtriede (1891–1964) muss mit ansehen, wie SA-Leute gemeinsam mit einem pöbelnden Mob gewaltsam in ihre Redaktionsräume eindringen und sie verwüsten.

Schändliche Schaufahrt ins KZ

Adam wird nach Kislau verschleppt

Als langjähriger Innenminister des Landes Baden hat sich Adam Remmele (1877–1951) unerschrocken den Extremisten aller Lager entgegengestellt. Die badischen Nazis sehen daher in ihm ihren Hauptfeind. Gemeinsam mit sechs weiteren bekannten Sozialdemokraten wird Remmele am 16. Mai 1933 im Rahmen einer erniedrigenden ‚Schaufahrt‘ vom Karlsruher Bezirksgefängnis in das kurz zuvor errichtete KZ Kislau verschleppt.

Wortloses Widerstehen im KZ

Kurt will gedenken und bezahlt dafür

Im Frühjahr 1933 wird der Freiburger Kommunist Kurt Hilbig (1899–1978) ins südbadische KZ Ankenbuck verschleppt. Als er dort erfährt, dass die KPD-Politikerin Clara Zetkin im Exil gestorben ist, organisiert er eine Gedenkminute. Seine Aktion wird verraten – mit drastischen Folgen: Hilbig wird mit verschärftem Arrest belegt und von sadistischen KZ-Wärtern halbtot geprügelt.

Schutz vor der ‚Schutzhaft‘

Robert flieht ins rettende Exil

Auf spektakuläre Art und Weise gelingt dem Weinheimer KPD-Funktionär Robert Klausmann im Oktober 1933 die Flucht aus dem KZ Kislau. Zusammen mit seinem Parteifreund und Mithäftling Kurt Heiss kann er über die französische Grenze ins Elsass entkommen. Von Straßburg aus organisiert er in der Folgezeit den Widerstand seiner Partei im gesamten deutschen Südwesten.

Ein Pfarrer mit Prinzipien

Augustin wehrt sich gegen Hass und Hetze

Augustin Kast (1876–1950), der katholische Stadtpfarrer von Ettlingen, verweigert sich nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten konsequent der ‚Gleichschaltung‘. Die Folge ist, dass er angepöbelt und von den Nazis aus der Stadt vertrieben wird. Nur kurz darf er nach Ettlingen zurückkehren, bevor ihn der Freiburger Erzbischof schließlich in den kleinen Ort Weiler am Bodensee versetzt. Auch dort wird Kast von der Gestapo bespitzelt.

Streng geheim und sehr gefährlich

Eugen radelt für die Freiheit

Der 16-jährige Elektrikerlehrling Eugen Kern
(1917–2003) schmuggelt nach der ‚Machtergreifung‘ der Nazis als Fahrradkurier illegale SPD-Schriften von einer zentralen Verteilstelle in Mannheim nach Karlsruhe. Im Herbst 1934 wird er verraten und kommt ins Gefängnis. Bei den Verhören durch die Gestapo hält Eugen dem Druck und den Drohungen nicht stand und verrät die Namen von Mitstreitern. Dafür schämt er sich sehr.

Mutig, standhaft, glaubensstark

Heinz lässt sich nicht mundtot machen

Als eistmals sehr aktiver Demokrat ist der
Karlsruher Jugendpfarrer Heinz Kappes
(1893–1983) in der NS-Zeit vielfältiger Verfolgung ausgesetzt. Wegen seiner Loyalität zum früheren badischen Regierungschef Adam Remmele, den die Nazis ins KZ Kislau verschleppt haben, ist auch Kappes von KZ-Haft bedroht. 1936 sieht er sich schließlich gezwungen, mit seiner Frau und seinen vier Kindern nach Palästina auszuwandern.

Ein Kirchenmann als ‚Staatsfeind‘

Franz predigt gegen das NS-Regime

In Plankstadt geraten Mitglieder der katho-
lischen Gemeinde St. Nikolaus immer wieder mit den Nationalsozialisten in Konflikt. Nach einer regimekritischen Predigt wird der Priester Franz Stattelmann (1898–1965) im Sommer 1935 ins Konzentrationslager Kislau verschleppt. Dank der Fürsprache des Freiburger Erzbischofs kommt er nach sechs Wochen wieder frei. Wenig später wird er für ein halbes Jahr ins Gefängnis gesperrt.

Eine Jugendliche im Widerstand

Anna verweigert sich der Nazi-Ideologie

Als junges Mädchen schmuggelt Anna Denz in den 1930er Jahren gemeinsam mit ihren Eltern Schriften der Zeugen Jehovas aus der nahen Schweiz in ihre Heimatstadt Lörrach. 1938 wird die Familie erwischt, Vater und Mutter werden verhaftet. Dank der Hilfe von Glaubensgenoss:innen kann Anna in die Schweiz fliehen. Ihre Eltern kommen in Konzentrationslagern ums Leben.

Ein stadtbekannter ‚Judenfreund‘

Hermann hilft Verfolgten bei der Flucht

Der evangelische Heidelberger Stadtpfarrer Hermann Maas hat sich schon vor 1933 für die Republik und gegen den zunehmenden Antisemitismus engagiert. In der NS-Zeit baut er mit anderen Glaubensgenoss:innen ein Fluchthilfe-Netzwerk für Menschen auf, die von den Nazis rassistisch verfolgt werden. 1944 wird er wegen dieser Aktivitäten in ein Arbeitslager verschleppt. Nach dem Krieg kehrt er nach Heidelberg zurück.

Mit Flugblättern gegen das NS-Regime

Heinz schließt sich der ‚Weißen Rose‘ an

Der Freiburger Philosophiestudent Heinz Bollinger lässt sich Ende 1942 von seinem Freund Willi Graf dafür gewinnen, Flugblätter der ‚Weißen Rose‘ zu vervielfältigen und zu verbreiten. Nachdem Graf und die Geschwister Scholl verhaftet worden sind, gerät auch Bollinger ins Visier der Verfolgungsbehörden und wird zu einer Zuchthausstrafe verurteilt. Bei Kriegsende 1945 kommt er frei.

Making-of

Die Hintergrundrecherchen für unsere Motion Comics leisten wir selbst, und auch die Texte stammen aus unseren Federn. Für alle anderen Arbeitsschritte holen wir uns Unterstützung durch externe Fachleute: Die Illustratorin Katja Reichert entwirft die Storyboards, fertigt die Zeichnungen an und übernimmt die Bildregie. Wechselnde Sprecher:innen sowie ein Tonstudio sorgen für die akustische Umsetzung, bevor schließlich der Cutter Thilo Brethauer alles zu einem runden Ganzen zusammenfügt. Die Titelmusik von Greg Merlini heißt passenderweise ‚Murmure du passé‘ – auf Deutsch: ‚Flüstern der Vergangenheit‘.

Bislang konnten und können wir die externen Kosten für unsere Motion Comics nur in Ausnahmefällen aus unseren laufenden Mitteln bestreiten. Für einige Filme hat die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg zusätzliche Projektmittel bereitgestellt, andere konnten mithilfe von Spenden realisiert werden. Neben mehreren Privatpersonen waren dies – in alphabetischer Reihenfolge – die ALBA Baugenossenschaft eG, die BBBank Karlsruhe, die Erzdiözese Freiburg, die Gemeinde Plankstadt, die Kulturstiftung der Sparkasse Karlsruhe, die Seelsorgeeinheit Schwetzingen, die Stadtwerke Ettlingen GmbH, die Universität Heidelberg und die Volksbank Stiftung Karlsruhe.

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